EuRoman

( I am delighted to host this post written by Stéphanie Friedrich (currently moving into EurActiv’s editorial team). Jochen Bittner is Brussels correspondent of Die Zeit. Christophe Leclercq
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Was läuft schief in Europa?

Dies ist die Frage, die Jochen Bittner, politischer Redakteur bei der ZEIT und seit drei Jahren als Europa- und NATO-Korrespondent in Brüssel, sich in seinem neusten Buch über die Europäische Union gestellt hat. Über knapp 300 Seiten hinweg setzt er sich in So nicht, Europa! die Aufgabe, diese Frage so unterhaltsam und doch gründlich wie möglich zu beantworten.

Grundlegend sieht der Autor drei Fehler bei der EU: 1. Sie regelt „Kleines zu groß“ und „Großes zu klein“. 2. „Weiches zu hart“ „und Hartes zu weich“3. „Sie bewegt sich oben zu schnell“ und „unten zu langsam“.

Auf diese Art organisiert Bittner das komplexe Thema der EU, ihrer neuen Struktur nach der Ratifizierung des Lissabonvertrages, sowie ihrer Fehlleistungen. In jedem der drei Teile gibt es je zwei Unterteilungen („Großes zu klein“ und „Kleines zu groß“ etc.), die ihrerseits mit verschiedenen Anekdoten und Beispielen illustriert sind. Auf diese Weise hilft Bittner selbst uneingeweihten Lesern, mit dem labyrinthartigen Gebilde EU umzugehen. Obwohl die Aufteilung des Buches also leicht schemahaft und gezwungen anmutet, hat sie doch den klaren Vorteil, überschaubar zu sein.

Diesen Mangel an Eleganz macht der Autor jedoch wett durch einen lebendigen, bildreichen und humoristischen Erzählstil. Selbst ein oftmals trockenes Thema wie der Aufbau der Europäischen Union widersteht dem Esprit des Autors nicht. Was leicht an ein Schulbuch hätte erinnern können, wird so zu einer unterhaltsamen und lehrreichen Lektüre, gespickt mit interessanten Charakteren und einer Handlung, die sich sowohl in die bizarren Details ihres Sujets vertiefen kann als auch den Überblick über das Ganze behält. Man lernt dabei sowohl skurrile Fakten aus der europäischen Gegenwart als auch Wissenswertes aus der Geschichte Europas und seiner Nachbarn.

Ein weiterer Höhepunkt des Werks sind die Zitate zu Beginn jedes Kapitels, von William Shakespeare über Papst Pius XI bis zu Mahmud Ahmadinedschad. Die Vielfalt der zitierten Persönlichkeiten bringt ebenfalls eine neue Vielfalt der Perspektiven an die Materie, die ihr gut tut, sie belebt und ein manchmal schelmisches, manchmal kritisches Auge auf das Tun der Europäischen Union wirft, so zum Beispiel Kurt Tucholskys schöner Satz vom Volk, das das meiste falsch versteht und doch richtig fühlt.

Bittners Erzählung ist die eines Initiierten, der Brüssel – trotz Dementi – in und auswendig kennt. Sein Blick auf das Projekt EU ist meist kritisch aber zuweilen auch verständnis- oder gar liebevoll. So erinnert zum Beispiel das Schlusskapitel an die gemeinsame, oftmals gewalttätige Geschichte Europas und an das, was die EU für ihre Bürger konkret bewirken kann, wenn sie es nur richtig anpackt.

Ein Wehrmutstropfen, wenn man denn in diesem sonst so lesbaren Werk einen sucht, ist die etwas lieblose Druckvorbereitung, die vor allem gen Ende des Buches so einige vergessene Worte und Tippfehler hat durchgehen lassen.

Nichtsdestotrotz – insgesamt vermittelt der Autor ein lebendiges und interessantes Bild eines politischen Experiments, das uns alle betrifft, das aber in Bittners eigenen Worten nur „schwer vermittelbar“ ist. Diese Schwierigkeit hat der Autor auf elegante Art gemeistert.

Stéphanie Friedrich

Dieses Buch ist hier erhältlich

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